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November 2013

Karl Peter Bruch: Die Diakonie Hessen wird ein bedeutender Faktor in der Wohlfahrtspflege in Hessen sein

Erste gemeinsame Mitgliederversammlung des neuen Verbandes tagte heute in Oberursel – Vorstandsvorsitzender Dr. Gern: Inklusion verändert die Gesellschaft, muss gewollt sein und hat ihren Preis – Margret Artzt neue stellvertretende Vorsitzende der Mitgliederversammlung.


„Diese erste Mitgliederversammlung ist der Abschluss des ereignisreichen Jahres für die Fusion der beiden ehemaligen Diakonischen Werke in Hessen zur neuen Diakonie Hessen. Ich freue mich und danke allen Mitwirkenden, dass wir in den vergangenen Monaten eine solche nicht ganz leichte Aufgabe gestemmt haben und voller Elan in die Zukunft schauen können. Die Diakonie Hessen wird ein bedeutender Faktor in der Wohlfahrtspflege in Hessen sein", sagte Staatsminister a. D. Karl Peter Bruch, Vorsitzender der Mitgliederversammlung der Diakonie Hessen, im Rahmen der ersten gemeinsamen Mitgliederversammlung des neuen Verbandes heute in Oberursel.

Vorstandsvorsitzender Gern: Armut nicht verschweigen – Diakonie-Initiativen gegen Armut

Pfarrer Dr. Wolfgang Gern, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Hessen, sagte anlässlich der Mitgliederversammlung: „Die öffentliche Armut wächst, der Abbau öffentlicher Infrastruktur nimmt rapide zu. Armut wird öffentlich versteckt, verdrängt oder gar verschwiegen, als sei sie nicht da. Aber Armut darf nicht verschwiegen werden. Unsere Diakonie hält mit vielen Initiativen dagegen: durch Gemeinwesenarbeit in der regionalen Diakonie, durch Beratungsstellen, durch die – im Übrigen bundesweite – Initiative Pro Arbeit, durch die Mitarbeit an den Armuts- und Reichtumsberichten in Bund und Land, durch die fachliche Begleitung der Tafelarbeit.“

Im Blick auf die kürzlich in Hessen unterzeichnete „Charta der Vielfalt“ sagte Gern: „Vielfalt bereichert und hat praktische Konsequenzen. Es müssen Hindernisse aus dem Weg geräumt werden. Dabei geht es um die integrative Kindertagesstätte und um den Schulbesuch statusloser Kinder, um die Arbeitserlaubnis für Asylsuchende und die doppelte Staatsbürgerschaft, um die professionelle Migrationssozialarbeit und die kultursensible Altenpflege.“

Für das neue Jahr kündigte der Vorstandsvorsitzende einen Konzeptions- und Strategieprozess in Frankfurt und in Kassel an, unter Einbeziehung des Aufsichtsrates, der Mitarbeitenden und der Mitglieder. Über Verlauf und Ergebnisse werde in der Mitgliederversammlung 2014 berichtet werden, die im November des nächsten Jahres in Kassel stattfinden soll.

Zur neuen stellvertretenden Vorsitzenden der Mitgliederversammlung wurde einmütig Margret Artzt gewählt, Diakoniepfarrerin im Schwalm-Eder-Kreis. Sie tritt die Nachfolge von Pfarrerin Barbara Eschen an, der Direktorin Hephata Hessisches Diakoniezentrum, die zum 1. Januar als Direktorin in das Diakonische Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz wechselt und somit für den stellvertretenden Vorsitz nicht mehr zur Verfügung stand.

Dem Antrag, die Ausgestaltung der so genannten ACK-Klausel (ACK: Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen) durch eine Arbeitsgruppe überprüfen zu lassen, folgte die Mitgliederversammlung ebenfalls einmütig. Danach wird der Vorstand der Diakonie Hessen beauftragt, an die Kirchenleitung mit einer entsprechenden Bitte heranzutreten. Hintergrund des Antrags ist, dass es in der Diakonie Hessen bislang noch unterschiedliche Regelungen auf dem Gebiet in Hessen und Nassau und in Kurhessen-Waldeck gibt. So ist in Hessen und Nassau die Mitgliedschaft in einer ACK-Kirche Voraussetzung für Mitarbeitende, um in den Gesamtausschuss gewählt zu werden, für die Wahl in die Mitarbeitendenvertretung ist dies nicht nötig. Auf dem Gebiet von Kurhessen-Waldeck ist die ACK-Mitgliedschaft für beide Gremien Voraussetzung. Nun soll geprüft werden, wie eine einheitliche Regelung gefunden werden kann, die von beiden Synoden beschlossen werden muss. Anlass für den Antrag war, dass ein Mitarbeitervertreter in den neuen Gesamtausschuss gewählt worden ist, der nicht der ACK angehört. Laut Mitarbeitervertretungsgesetz soll die Arbeitsgruppe ohnehin eingesetzt werden. Durch den Antrag wird dies nun in die Wege geleitet.

Gastredner Prof. Dr. Becker: „Ausbluten der öffentlichen Kassen – Doch Geld ist genug vorhanden“

In seinem Impulsvortrag zum Thema „Inklusion“ sagte der Gastredner Pfarrer Prof. Dr. Uwe Becker, Theologischer Vorstand Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe (DRWL): „Um von der finanziellen Ohnmacht abzulenken, greift die Politik zur rhetorischen Figur des Appells. Die zivilgesellschaftlichen Akteure, die Bürgerinnen und Bürger also, sollen sich einsetzen für eine Kultur der Anerkennung und der Gastfreundschaft. Der Appell ans allgemein Menschliche aber genügt nicht, wenn die Inklusion eine Realität der politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse werden soll." Becker sagte weiter, Inklusion brauche Investition. „Wir erleben ein sukzessives Ausbluten der öffentlichen Kassen und meinen tatsächlich, uns auf dieser Basis auf ein 'Mehr' an kostenaufwendiger Inklusion verständigen zu können? Das geht nur, wenn der Preis für die politische Wahrheit dieser Inklusion benannt wird und die Rechnung auch bezahlt wird."

Der Vorstand der DRWL spitzte weiter zu: „Geld ist vorhanden. Die desolate Kassenlage der öffentlichen Haushalte ist kein Schicksal und kein Naturgesetz, sondern Ergebnis einer absichtsvollen Politik. Wir müssen dann auch fordern, dass die Haushalte der öffentlichen Hand beispielsweise durch  Vermögensabgaben oder einen Lastenausgleich auskömmlich ausgestattet werden."

Stichwort:
Diakonie Hessen, der soziale Dienst der Evangelischen Kirchen in Hessen und Nassau und Kurhessen-Waldeck

Die Diakonie Hessen - Diakonisches Werk in Hessen und Nassau und Kurhessen-Waldeck e.V. ist der soziale Dienst der Evangelischen Kirchen in Hessen und Nassau und Kurhessen-Waldeck und ist in Hessen, Rheinland-Pfalz und im thüringischen Schmalkalden tätig.

Die Mitgliederversammlung ist das in der Regel einmal im Jahr tagende „Parlament" des evangelischen Wohlfahrtsverbandes. Unter anderem nimmt die Versammlung die Rechenschaftsberichte des Vorstands und des Aufsichtsrats entgegen, genehmigt die Feststellung der Jahresrechnung und wählt aus ihrer Mitte Personen in den Aufsichtsrat. Vorsitzender der Mitgliederversammlung ist der ehemalige rheinland-pfälzische Innenminister Karl Peter Bruch (SPD). Stellvertretende Vorsitzende ist Margret Artzt, Diakoniepfarrerin im Schwalm-Eder-Kreis.

Die Fusion der beiden Verbände war nach der Unterzeichnung des Fusionsvertrags am 4. Juli und der am 26. August vollzogenen Eintragung in das Vereinsregister rückwirkend zum 1. Januar 2013 gültig. Bereits seit Januar arbeiten beide Verbände in den neuen Organisationsstrukturen. Die Landesgeschäftsstelle der Diakonie Hessen ist in Frankfurt am Main, außerdem gibt es den Standort in Kassel.

Der Diakonie Hessen gehören nach aktuellem Stand insgesamt 462 Rechtsträger an, etwa 39.000 hauptamtliche Mitarbeitende sind bei den Mitgliedern der Diakonie Hessen insgesamt beschäftigt.


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