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Dezember 2013

„Deutschland muss deutlich mehr syrische Flüchtlinge aufnehmen“

Derzeitige Aufnahmezahlen enttäuschend - Diakonie-Chef Gern bittet Hessen und Rheinland-Pfalz um Unterstützung einer großzügigen Flüchtlingsaufnahme


Der Vorstandsvorsitzende der Diakonie Hessen, Dr. Wolfgang Gern, äußerte sich besorgt angesichts der geringen Zahlen syrischer Flüchtlinge, die bis heute nach Deutschland einreisen konnten. Im März hatte die Bundesregierung beschlossen, 5.000 syrische Flüchtlinge aufzunehmen. „Davon sind bis heute gerade mal 1.300 angekommen. Mehr als die Hälfte von ihnen sind auf eigene Initiative und Kosten eingereist und wurden lediglich auf das Kontingent angerechnet“, so Gern. Gründe für das unbefriedigende Zwischenergebnis seien die zu komplizierten Aufnahmekriterien und viel zu aufwändige Verwaltungsabläufe, sagte Gern anlässlich der von heute bis Freitag in Osnabrück stattfindenden Konferenz der Innenminister.

Auch die Initiative der Länder, Familienangehörigen den Nachzug zu hier lebenden Syrern zu ermöglichen, scheitere in der Regel an viel zu hohen Anforderungen. Der Diakonie-Chef dankte den Ländern Hessen und Rheinland-Pfalz für ihre Initiativen, die auf die Familien zukommenden Kosten zumindest etwas zu verringern. „Das reicht aber bei weitem nicht aus. Angesichts des Flüchtlingsdramas sollten wir den Flüchtlingen die Hand reichen und deutlich mehr in Bund und Ländern aufnehmen“, sagte Gern. Dazu müssten aber auch die Kriterien und Verwaltungsabläufe drastisch vereinfacht werden. „Wir sollten die besonders Schutzbedürftigen ebenso willkommen heißen, wie die Angehörigen der hier lebenden Syrer“, betonte Gern und begrüßte den Vorschlag der Evangelischen Kirche im Rheinland, 100.000 weitere syrische Flüchtlinge in Deutschland aufzunehmen. „Wir brauchen jetzt ein deutliches Zeichen. Mut und Vertrauen sind gefragt.“

Gern warb für ein Umdenken in der Flüchtlingspolitik und mehr Risikobereitschaft: „Die aufgenommenen syrischen Flüchtlinge werden es Deutschland danken und sich nach Kräften bemühen, Ihren Lebensunterhalt aus eigenen Kräften zu bestreiten. Und die in Deutschland lebenden 50.000 Syrer werden ihnen tatkräftig zur Seite stehen. Wenn jeder von ihnen auch nur zwei Familienangehörige zu sich holen möchte, wären wir schon in dieser Größenordnung“, gab Gern zu bedenken. Über die Zahl 100.000 könne man sicher diskutieren, aber sie gebe in jedem Fall die Richtung an, in der angesichts der Massenflucht von syrischen Flüchtlingen und der damit verbundenen humanitären Katastrophe jetzt gedacht und gehandelt werden müsste. Im Bosnienkrieg zum Beispiel haben in Deutschland etwa 320.000 Menschen Zuflucht gefunden.

Die Kosten der Aufnahme einer so großen Zahl von Menschen würden sicher nicht allein beim Staat hängen bleiben. Allerdings dürften sie auch nicht vorrangig  den betroffenen Familien aufgebürdet werden. „Gemeinsam stehen Politik und Gesellschaft in der Verantwortung zu helfen“, betonte der Diakonie-Chef und bat die Innenminister der Länder Hessen und Rheinland-Pfalz, sich bei der Konferenz in Osnabrück für eine großzügige Aufnahme von syrischen Flüchtlingen einzusetzen.


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